Tageszentrum Miteinander Füreinander Meilen

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Wissenschaftliche Artikel

1. Gemeinschaftsgefühl

Gemeinschaftsgefühl

Gemeinschaftsgefühl

Das Gemeinschaftsgefühl ist ein zentraler Begriff in der Theorie der Individualpsychologie Alfred Adlers. Im Tageszentrum Miteinander Füreinander Meilen werden unter anderem grundlegende Haltungen wie Gleichwertigkeit und Gemeinschaftsgefühl von vielen Seiten her diskutiert und in der Tradition Adlers gelehrt, therapeutisch praktiziert und gelebt.  Das Tageszentrum steht unter der Leitung der Psychiaterin Dr. Lilly Merz Raff und dem Psychologen Diethelm Raff.

 

Annäherung an den Begriff des Gemeinschaftsgefühls

Gemeinschaftsgefühl ist ein individualpsychologisches Konstrukt, das mehrere Aspekte umfasst. Der Begriff vereint Wahrnehmungsaspekte, kognitive sowie emotionale Aspekte (Wäschle, 2012). Adler versteht unter Gemeinschaftsgefühl einerseits eine im Menschen angelegte Fähigkeit zur Einfühlung in den anderen. Weiter spricht er von einem Willen zur Kooperation, die dem Menschen von Natur aus nahe liegt. Ähnlich der Sprachfähigkeit, die zwar im Menschen angelegt ist, die jedoch der sprachlichen Interaktion mit anderen Menschen bedarf, um sich zu entfalten, so muss auch das Gemeinschaftsgefühl in Interaktion entwickelt und kultiviert werden. Wie die Ausdifferenzierung der Muttersprache vom sozialen Umfeld, in der sie erlernt wird, abhängt und natürlicherweise diesem angepasst ist, so entwickelt sich auch das Gemeinschaftsgefühl nicht unabhängig der äusseren Einflüsse. Es kommt daher der Erziehung die wichtige Rolle zu, die im Kinde angelegte Disposition zur Kooperation zu wecken und angemessen zu fördern (Adler, 2005).

Des weiteren steht das Gemeinschaftsgefühl in Zusammenhang mit einem guten, echten Selbstwertgefühl. Aus der Empathiefähigkeit entwickelt sich idealerweise das subjektive Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen, das grundlegende Gefühl der Zusammengehörigkeit und der subjektiven Zugehörigkeit zur Gemeinschaft (Brunner & Titze, 1995). Ein Fehlen solcher Empfindungen wirkt sich für den Menschen als ein soziales Wesen (Dreikurs, 2009) sehr negativ auf die psychische Befindlichkeit und damit auf die subjektiv empfundene Lebensqualität aus.

 

Gemeinschaftsgefühl und Lebensqualität

Dem Gemeinschaftsgefühl kommt in Adlers Neurosenlehre1 eine zentrale Rolle zu. Anders als in der Psychoanalyse Freuds, bei der die Neurose ihre Ursprung im Konflikt zwischen Wünschen und Ängsten, Triebleben und Kulturnormen hat, wird sie in der Individualpsychologie auf eine mangelnde oder fehlerhafte Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls zurückgeführt (Adler, 2006). 

Ein gesund entwickeltes Gemeinschaftsgefühl äussert sich unter anderem im Gefühl der Zugehörigkeit zur sozialen Umgebung des Individuums (Dreikurs, 2009), dem Gefühl der Gleichwertigkeit mit allen anderen und einer subjektiv empfundenen Sicherheit im zwischenmenschlichen Bezug (Adler, 1983).

Die Individualpsychologie baut auf einem sozialpsychologischen Verständnis auf. Sie begreift den Menschen als ein soziales Wesen und geht dabei von einem primären Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit zur Gemeinschaft aus (Dreikurs, 2009). So kann die psychische Konstitution des Individuums gemäss Adler (2006) auch nur unter Berücksichtigung seines sozialen, gesellschaftlichen (bis hin zum politischen) Kontext verstanden werden, in der es herangewachsen ist.

Der Stellenwert der sozialen Umwelt ergibt sich bereits aus der conditio humana. Der Mensch ist als physiologische Frühgeburt (Portmann, 1953) von Anfang an auf die Unterstützung seiner Umgebung angewiesen und wäre ohne die konstante Ernährung und Pflege durch andere Menschen weit über die ersten Lebensjahre hinaus gar nicht überlebensfähig: "Was wir in der Individualpsychologie Gemeinschaftsgefühl nennen, ist die wahre und unumgängliche Kompensation für all die natürlichen Schwächen des Einzelmenschen. Der Mensch ist, auch biologisch betrachtet, ein ausgesprochen soziales Wesen, das vor der Reife einen viel längeren Zeitraum der Abhängigkeit von anderen benötigt als jedes Tier" (Adler, 2007).

Auch findet sich in der Geschichte keine menschliche Kultur, die nicht auf einer Form der Zusammenarbeit aufgebaut wäre. Dazu bedarf es jedoch immer der Kooperation (Sennett, 2012). So stellt es für den Menschen geradezu eine Notwendigkeit dar, dass er seine Fähigkeit zur Empathie und Kooperation entwickelt, verfeinert und darüber hinaus Freude und Genugtuung dabei empfinden kann (Adler, 2005).

Eine Fehlentwicklung des Gemeinschaftsgefühls bedeutet eine unzureichende Vorbereitung auf die späteren Anforderungen des Zusammenlebens und führt damit, je nach Ausprägung, zu einem gewissen Mass an psychischer Irritation (Adler, 2006). So versteht Adler (2007) die neurotischen Symptomen seiner Patienten als einen kulturell verfehlten Versuch, sich von Gefühlen der Minderwertigkeit zu befreien. Ein Versuch allerdings, der durch Rückzug von der Gemeinschaft, von sozialen Aktivitäten, von der realen Lösung der gestellten Lebensaufgaben unternommen wird (Adler, 2007).  

Für Adler liegt das Problem nicht in erster Linie in der konkreten Situation, die sich einem Menschen stellt, sondern in der Frage, was er zur deren Bewältigung zur Verfügung hat, welche psychische Konstitution er mit sich bringt und welche psychischen Strategien er zu deren Lösung heranzieht (Adler, 2005). "Alle Lebensprobleme haben einen grossen sozialen Wert. Der Mensch muss auf eine richtige, normale, wertvolle und erfolgreiche Lösung vorbereitet sein. Das bedeutet, dass er ein ausreichendes Mass an Gemeinschaftsgefühl besitzen muss. Deswegen muss der Baustein, den wir die angeborene Möglichkeit zum Gemeinschaftsgefühl nennen, zum Leben und zum Arbeiten erweckt werden" (Adler, 1983: S. 183). Denn letzen Endes stellen nach Adler alle Hauptprobleme im Leben Problemen der menschlichen Kooperation dar (Ansbacher, 1982).

Die Neigung zur Kooperation im Kind zu wecken, und umgekehrt das Vertrauen zu legen, dass auch die Mitmenschen dem Kind gegenüber kooperativ und verlässlich eingestellt sind, das ist die Aufgabe der Erziehung. Die Erziehungsfrage nimmt deshalb in der Individualpsychologie einen hohen Stellenwert ein. 

 

Gemeinschaftsgefühl und Erziehung

Ansichten über eine angemessene und förderliche Erziehung sind verschiedenen Faktoren unterworfen. Der aktuelle Zeitgeist, der Bildungsstand, das individuelle wie das gesellschaftliche Wertesystem beeinflussen das Denken und Handeln der Eltern und dementsprechend auch ihrer Erziehungsgestaltung.

Darüber hinaus stehen Eltern jedoch ständig mit ihrer gesamten Persönlichkeit in Beziehung und in Interaktion mit dem Kind. Jede Mutter, jeder Vater prägt eine je eigene Stimmung, und als Paar oder Familie schaffen sie eine Atmosphäre, in die ein Kind hineingeboren wird und in der es heranwächst. Die ersten Beziehungserfahrungen eines kleinen Kindes sind deshalb stets wesentlich von der elterlichen Persönlichkeit mitbestimmt (Adler, 1983).

  

Die Rolle der frühen Beziehungserfahrungen

Ob sich ein Kind in der Interaktion mit seinen primären Bezugspersonen (üblicherweise die Eltern) grundsätzlich bejaht oder abgelehnt fühlt, ob sein Verhalten mit Ausgeglichenheit und Wohlwollen oder mit Nervosität oder Strenge beantwortet wird, wirkt sich nachhaltig auf die psychische Disposition des Kindes aus. Noch im vorsprachlichen Stadium beginnt das Kind bereits, sich eine Vorstellung von seiner sozialen Umgebung zu machen. In Interaktion mit seinen engsten Bezugspersonen, in der familiären Atmosphäre, in der das Kleinkind heranwächst, macht es täglich seine Erfahrungen. Aus diesen Erfahrungen bildet es sich sukzessive eine "unbewusste Meinung" (Adler, 2005) darüber, wie Beziehungen gestaltet sind, was es sich von seinen Mitmenschen erwarten, erhoffen und erwünschen kann oder was es von ihnen zu befürchten hat. Damit einher geht die Entwicklung des Selbstbildes, das massgeblich durch die frühen Beziehungserfahrungen mit den wichtigsten und nächsten Bezugspersonen geprägt ist (Adler, 1932).

Adler vertritt damit einen Ansatz, der später unter der Bezeichnung "Objektbeziehungstheorie" Einzug in die Literatur gefunden hat und weitergeführt wurde (vgl. u.a. Fairbairn, 2000; Kernberg, 1997).

Gleichzeitig mit seiner Meinung, die sich das Kind über sich selbst und seine Mitmenschen bildet, beginnt es sich einen Weg zu suchen oder zurechtzulegen, wie es glaubt, in dieser sich ihm präsentierenden Welt und mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln am besten sein physisches und psychisches Wohlbefinden erlangen und aufrechterhalten zu können. Diese bereits früh im Kontext der familiären Gemeinschaft entwickelte, individuelle Art, den gestellten Anforderungen zu begegnen, bezeichnet Adler als "psychische Gangart"  (Adler, 2010). 

"Je nach dem, ob das Kind hier [in den Primärbeziehungen] mehr Übereinstimmung oder mehr Gegensatz, mehr Ermutigung und Zärtlichkeit oder mehr Entmutigung und Verzärtelung erfährt, dementsprechend tendiert es mit seinen Fiktionen mehr zur Übereinstimmung mit den anderen oder mehr zu Gegensätzlichkeit und Distanz zur Gemeinschaft und ihren Anforderungen" (Hellgardt, 1982, S. 25f). Hellgardt (1982) spricht von Fiktionen, weil die unbewusste Meinung eines Individuums auf "seiner unbewussten subjektiven Einschätzung der Situation" (Hellgardt, 1982, S. 25) gründet. Diese Einschätzung jedoch erfolgte aus der Perspektive des unerfahrenen Kleinkindes. 

"Bei der Betrachtung der Persönlichkeitsstruktur besteht die Hauptschwierigkeit darin, dass ihre Einheit, ihr besonderer Lebensstil und ihr Ziel nicht auf der objektiven Wirklichkeit aufbauen, sondern auf der subjektiven Anschauung, die der Mensch aus den Tatsachen des Lebens gewinnt. Eine Vorstellung, eine Anschauung von einer Tatsache, ist niemals mit der Tatsache selbst gleichzusetzen" (Adler, zit. nach Ansbacher, 1982, S. 183). Die unbewusste Meinung bildet jedoch die Wahrnehmungsgrundlage für das folgende Leben und ist entscheidend dafür, welche Handlungsspielräume, Freiheitsgrade und Möglichkeiten der einzelne Mensch für sich überhaupt in Betracht ziehen kann. Dass jedoch viele dieser kindlichen Interpretationen mit Irrtümern behaftet sind, erachtet Adler (2005) als unumgänglich. "Dementsprechend leidet der Mensch auch unbewusst unter seinen unverstandenen Meinungen, nicht unter der Wirklichkeit" (Hellgardt, 1982, S. 20). 

Adler (1973) veranschaulicht das Spannungsverhältnis zwischen der objektiven Realität und dem subjektiven Verhältnis zur Wirklichkeit, wenn er feststellt: "In der Tat hat es für mich die gleiche Wirkung, ob nun eine Giftschlange sich meinem Fuss nähert, oder ob ich glaube, dass es eine Giftschlange ist" (Adler, 2010, S. 26). 

An dieser Stelle wird die Tragweite der frühen Beziehungserfahrungen deutlich: Gewinnt ein Kind in der Interaktion mit seinen engsten Bezugspersonen die Sicherheit, dass es sich bei seinen es umgebenden und umsorgenden Mitmenschen um verlässliche, unterstützende, ihm zugewandte und auf sein Wohl bedachte Wesen handelt, so tritt es später der Welt mit einer anderen Grundhaltung  - oder unbewussten Meinung -  gegenüber als eines, das aus seinen frühesten Erfahrungen den Schluss gezogen hat, dass es seinen Mitmenschen besser mit Vorsicht begegnet, sich nicht auf sie verlassen kann und bei Schwierigkeiten auf sich alleine gestellt ist (Adler, 2010).  

Um das Beispiel der Giftschlange auf den menschlichen Kontext zu übertragen: Wenn ein Kleinkind in seiner Erziehung lernt, seine sozialen Interaktionspartner zu fürchten, sie als unberechenbar erlebt und glaubt, sich vor ihnen in Acht nehmen zu müssen, so wird es diese Erfahrung unbewusst als Grundlage für jede neue Begegnung heranziehen. Dass bedeutet, dass seine primäre Gefühlshaltung den Menschen gegenüber fortan von Zurückhaltung, Misstrauen und Vorsicht geprägt sein wird.   

Adlers Ansatz der unbewusst gefassten Meinung impliziert, dass ein Mensch nicht jedes Mal von Neuem völlig unvoreingenommen auf die Welt zugeht, gleichsam wie ein unbeschriebenes Blatt, sondern dass er sich bei der Einschätzung neuer Situationen auf frühere Erfahrungen und seine einmal gezogenen Schlüsse stützt und diese als Grundlage für weitere Beurteilungen heranzieht.

Diese adlersche Sichtweise steht in weitgehender Übereinstimmung mit den Formulierungen des Modells der Funktionen des menschlichen Gehirns, die der Ontogenese des Verhaltens zugrunde liegen (Koukkou & Lehmann, 2006). Gemäss Koukkou und Lehmann extrahiert das Individuum Bedeutung aus den Situationen, die es erlebt: Es beurteilt, es bewertet, und in der Folge empfindet und verhält es sich entsprechend seiner Bewertung. Es werden Lernprozesse initiiert, wodurch die Erfahrungen und ihre Bedeutung für das Individuum in seinem autobiografischen Gedächtnis verankert werden und wiederum die Grundlage für die Interpretationen und Bewertungen weiterer, folgender Situationen bilden.

Dieser Punkt ist auch insofern interessant, als mit diesem Ansatz die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität zu erheben, ausdrücklich die subjektive Bewertung und Empfindung zum Tragen kommen.

 

Die Eltern als Brücke zur Gemeinschaft

Die frühen Beziehungserfahrungen, die das Kleinkind in der Interaktion mit seinen engsten Bezugspersonen macht, gewinnen modellhaften Charakter für das weitere Leben und das Grundgefühl, mit dem das Individuum seiner sozialen Umgebung gegenübertritt.  Darüber hinaus sollten die Eltern darum bemüht sein, dieses in der Zweierbeziehung oder im familiären Umfeld gelegte Vertrauen auf einen grösseren Kreis von Menschen auszuweiten (Adler, 1983).

"Das hohe Mass an Kooperation und sozialer Kultur, das der Mensch für seine Existenz braucht, erfordert spontanes soziales Bemühen, und der vorrangige Zwecke der Erziehung besteht darin, es zu wecken. Gemeinschaftsgefühl ist nicht angeboren, sondern es ist lediglich eine angeborene Möglichkeit, die es bewusst zu entfalten gilt" (Adler, 2007, S. 49). Den ersten und engsten Bezugspersonen fällt daher die Aufgabe zu, das im Kinde angelegte soziale Interesse zu wecken und angemessen zu fördern. Entscheidend für eine umfassende Entwicklung des kindlichen Gemeinschaftsgefühls ist jedoch hernach, dass die primäre Bezugsperson (in den meisten Fällen die Mutter) das soziale Interesse des Kindes sukzessive auf einen grösseren Personenkreis auszuweiten vermag (Adler, 1983). Es liegt weitgehend in ihrer Hand, ob und in welcher Weise sich das Kind auch den anderen Familienmitgliedern zuzuwenden beginnt, und wie es später Beziehung zu anderen Kindern aufnimmt. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass sie das Kind weder an sich bindet noch von einer Beziehungsaufnahme abhält oder es durch ihre eigene Ängstlichkeit daran hindert, auf andere Menschen zuzugehen (Adler, 1935). Die Mutter sollte dem Kind eine sichere Beziehung bieten, einen Rückhalt, der darin besteht, dass sie es angemessen auf die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens und Zusammenlebens hinführt und ihm dabei Anleitung und Unterstützung zu deren Bewältigung bietet (Adler, 1983). 

Das Vertrauensverhältnis zur primären Bezugsperson bildet die Grundlage dafür, dass sich das Kind neugierig, unbefangen und ohne unnötige Vorbehalte dazu aufmachen kann, seine Umwelt zu erkunden. (Bowlby, 1969). Dazu gehört auch das Ausprobieren und Kennenlernen unzähliger sozialer Situationen. Voraussetzung für ein unbeschwertes Interagieren im grösseren sozialen Kontext ist dabei, dass das Kind die subjektive Sicherheit empfindet, dass es sich bei Schwierigkeiten jeglicher Art, die ihm in der Beziehung zum erweiterten Personenkreis begegnen mögen, an die Mutter wenden kann. Deren wohlwollende und zuversichtliche Unterstützung ist ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls. Ihre Unterstützung sollte auch die stete Anleitung zum Verständnis des anderen Menschen und zur friedlichen Lösung von Konflikten beinhalten. So schlägt die Mutter für das Kind die Brücke zur Gemeinschaft  (Adler, 1983). 

Das Produkt einer in dem Sinne erfolgten und geglückten Erziehung wird das Gefühl der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung sein, das wiederum die Grundlage des Gemeinschaftsgefühls bildet (Dreikurs, 2009).   

  

Zusammenfassung

Das Kind sollte in der engen Beziehung zu den Eltern bzw. zu den primären Bezugspersonen die Erfahrung der Kooperation machen können, denn nach Adler (2005) ist die erlebte Gemeinschaft mit dem frühen sozialen Umfeld der Ausgangspunkt für das Gemeinschaftsgefühl des Kindes. 

"Subjektiv äussert sich das Gemeinschaftsgefühl in dem Bewusstsein, mit anderen Menschen verbunden zu sein, zu ihnen zu gehören, nicht abseits zu stehen. Damit verbunden ist das Gefühl, dass man trotz aller persönlichen Verschiedenheiten das Schicksal seiner Mitmenschen teilt. Nur dann entwickelt man seine ganze Fähigkeit zur Kooperation" (Dreikurs, 2009, S. 24). 

Adler wurde nicht müde in vielen Schriften und Vorträgen aufzuzeigen, "dass alle Hauptprobleme im Leben Probleme der menschlichen Kooperation sind. Obgleich Adler dies nicht so sagte, lässt er durchblicken, dass in der heutigen Gesellschaft die Befriedigung beinahe aller denkbaren Bedürfnisse von der Lösung dieser Kooperationsprobleme abhängen. Diese Probleme stellen die Bindung des Individuums zum sozialen Leben dar" (Ansbacher, 1982, S. 138).

Literaturverzeichnis

  

Adler, A. (2005). Menschenkenntnis (36. Auflage). Frankfurt a. M.: Fischer.

Adler, A. (1983). Heilen und Bilden (2. Auflage). Frankfurt a. M.: Fischer.

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Adler, A. (1932). Die Systematik der Individualpsychologie. Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie, 10, 27-35.

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Ansbacher, H. L. & Ansbacher, R. (1982). Alfred Alders Individualpsychologie (3. Auflage) München: Ernst Reinhardt Verlag.

Bowlby, J. (1969). Attachment and Loss (Vol. I). New York: Basic.

Brunner, R. & Titze, M. (1995). Wörterbuch der Individualpsychologie. München: Ernst Reinhardt Verlag.

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Fairbairn, W. R. D. (2000). Das Selbst und die inneren Objektbeziehungen: eine psychoanalytische Objektbeziehungstheorie. Giessen: Psychosozial-Verlag.

Hellgardt, H. (1982). Grundbegriffe des individualpsychologischen Menschenbildes. In R. Schmidt, (Hrsg.), Die Individualpsychologie Alfred Adlers. Stuttgart: Kohlhammer.

Kernberg, O. F. (1997). Innere Welt und äussere Realität: Anwendungen der Objektbeziehungstheorie (3. Auflage). Stuttgart: Internationale Psychoanalyse.

Koukkou, M. & Lehmann, D. (2006). Entstehung und Behandlung psychischer Störungen

aus der Sicht integrativer Hirnfunktionsmodelle. In H. Böker (Hrsg.), Psychoanalyse

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Portmann, A. (1951). Biologische Fragmente zu einer Lehre des Menschen. Basel: Karger. 

Portmann, A. (1953). Das Tier als soziales Wesen, Zürich: Rhein-Verlag.

Sennett, R. (2012). Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält (3. Auflage). Berlin: Hanser.

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